...Christa Lühtje hat, seitdem sie selbstständig an die Öffentlichkeit trat, mit erstaunlicher Sicherheit und von Anfang an in einer unverwechselbaren Form einen anderen Typus von Schmuck vorgestellt. Er scheint zeitlos zu sein und ist dennoch individuell; er behauptet sich mit Bestimmtheit und wirkt dennoch, wenn ihn eine Frau zum ersten mal trägt, so, als sei er nur für sie gemacht, als habe sie ihn schon lange besessen; er könnte zu keiner anderen Zeit entstanden sein als während der jeweiligen Lebenszeit der Goldschmiedin, und folgt doch einer ausgeprägten Tradition.
...Auch die Fähigkeit, Ornamente zu erfinden und konsequent in die Reihe zu bringen, wurde heute zur Rarität. Ornamente bringt nur jemand zustande, der seiner selbst und der ihn tragenden Kräfte sicher ist.
Christa Lühtje gewinnt diese Sicherheit deshalb - ausser aus sich selbst - aus dem unmittelbaren Verständnis des alten Schmucks. Sie sagt es ganz einfach:" Die Gelassenheit und Weite, die alte Dinge auszeichnen, gefällt mir." Es sagt sich so leicht, "... keine grossen Emotionen im Ausdruck, eher verhalten, gelassen, offen..." oder,"... Handwerk auf immer neue und differenzierte Art und Weise;
mit den unerschöpflichen Möglichkeiten, der den Materialien innewohnenden Eigenschaften, umzugehen..." Solche Worte klingen fast unglaubwürdig. Aber es gibt für sie durchaus eine Entsprechung in der Wirklichkeit.
Wer Schmuck so selbstverständlich sieht und macht, kann ihn schwerlich als Ausnahme begreifen.
Er muss ihn als Teil des Alltags, als eine fast organisch seiner Trägerin zugeordnete Lebensform verstehen, mit Christa Lühtjes eigenen Worten, als "guten Begleiter". Das Haus, das sie in einem Ort am Münchner Stadtrand bewohnt, spiegelt die widerspruchslose Schlüssigkeit ihres Lebens und ihrer Arbeit. Es ist einfach, verbindet Atelier und Wohnen mit einem Stück Natur im Garten. Sie bekennt, dass sie diesen Garten braucht, wahrscheinlich, weil man die Natur nicht erfassen kann, wenn man nur mit einem Teil von ihr, mit Metall und Stein, umzugehen versteht. Licht und Wachstum, die Pflanzenwelt gehören essentiell dazu...
Heinz Spielmann

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