Warum ist das Einfache so schwer zu erreichen?
Weil es dem Leben widerspricht, so gegensätzlich zu den Erfahrungen des Alltags steht, den Gefühlen zu wenig Ausdruck verleiht, sich zu endgültig und apodiktisch gebärdet? Diese und was da sonst noch anzuführen wäre:
Alles als Antwort ein wenig richtig und doch im ganzen dazu verdächtigt, nur Ausflucht zu sein, bequeme Verweigerung und vielleicht auch Feigheit davor, die Gesetzlichkeiten des Gestaltens wirklich zu akzeptieren.
Das Einfache ist unumgänglich und damit gefürchtet.
Nun soll ja nicht gesagt sein, daß alles Einfache auf strikter Reduktion zu beruhen habe, daß es die beseelte Armut feiern und sich keusch und übermäßig züchtig zu geben habe. Niemals und nirgendwo ist ihm verwehrt, sinnlich und reich und auch teuer zu sein. Nur müssen ihm diese Eigenschaften immanent und wahrhaftig wesensgleich sein, sie dürfen nicht aufgesetzt erscheinen. Solches muß entdeckt, erkannt und schließlich erworben werden. Das Einfache kommt nicht von alleine und läßt sich schon garnicht am Wegrand finden. Das Experiment ist ihm vermutlich fremd, denn es verfügt über keinen gewissen Ausgang. Der muß jedoch immer das Ziel sein.
Das Einfache ist somit immer etwas, bei dem wir spüren, daß es zuende gedacht worden ist. Es erscheint, wenn die Materie einem gedanklichen – und eben nicht nur handwerklichen – Prozeß unterworfen worden ist. Die Form ist hiermit das Ergebnis einer geistigen Durchdringung, die schließlich das Erzeugnis gelöst, beglückend, ja heiter erscheinen läßt. Wir, die beschenkten Zuschauer, staunen zuerst etwas beschämt, denn die Zweifel am Gelingen waren erheblich.
Nun sind wir still.