Heinz Spielmann
Klaus Jürgen Sembach
Peter Hassenpflug
Philipp Luidl
Rüdiger Joppien
Liebe Christa,

du weißt, dass dem Ägypter Silber und Gold Attribute des Mondes und der Sonne waren, dass bis in die Renaissance Silber der Venus und Gold dem Adonis zugeteilt wurden. Dass den Anwohnern des Mittelmeeres der Mond ein weiblicher, die Sonne ein männlicher Himmelskörper ist, wird dir nicht entgangen sein. Während Silber als Metall im Laufe der Zeit zu erblinden neigt, behält Gold sein Feuer. Und so macht es einen Unterschied, ob ich mich in Silber oder in Gold rahme. Das alles mag dir bewußt sein und du magst es sogar spüren, wenn du Gold als Metall zwischen den Fingern hast, wenn du es biegst oder beugst, wenn du ihm eine Form gibst, es zu deinem Kind machst. Wenn du ihm Augen verleihst, die härter als Gold sind, in deren Glanz sich die Welt spiegelt. Sie werden dich verlassen, deine Ketten und Ringe. Du wirst sie erzogen haben, zu dem, was sie sind. Du wirst ihnen ein Stück von dir mitgeben und sie werden sich auch in der Fremde an dich erinnern. Dein Metall ist verhältnismäßig weich und man kann es abtragen wie man ein Gewand abträgt. Und wie ein Gewand soll es kleiden, täglich oder nur sonntags. Und noch eines scheint mir wichtig. Dass der, der es täglich trägt, sich wohl fühlt. Du mußt also mit viel Gefühl deinen Kunden abmessen und zwar nicht nur am Hals, am Arm oder am Finger, sondern in seiner ganzen Gestalt. Du hast es schon hundertmal getan und du wirst es noch hundertmal tun müssen, denn jeder Kunde ist einer, der ein Einzelstück verlangt. Eines, wie es kein zweiter trägt.
So ist mehr als nur ein Mass in deine Hände gelegt. So hat deine Hand dem Gold unmissverständlich deinen Namen geflüstert. Lühtje hat sie gesagt und Lühtje sagen die Ketten, Reife und Ringe. Ich besitze einen. So oft ich ihn anstecke, werden neun Finger eifersüchtig. Reiche ich jemandem die Hand, sind es vierzehn. Und immer noch glaubst du an die Unschuld deines Goldes.

herzlich Dein Philipp

Biografische Daten
Schmuck
Galerien
Kontakt
Ausstellungen
Texte