
Ende der 60er Jahre rumorte es in der europäischen Schmuckkunst, doch Christa Lühtje war nicht danach zumute, alles auf den Kopf zu stellen. Ein kurzer Ausflug in die Welt des Kunststoffs, war alles, was sie sich erlaubte.
Die Arbeiten, die sie 1971 für die Schmuckausstellung zum Dürerjahr einreichte, enthielten bereits alle ihre Eigenschaften: klare, eindeutige Formen: Gold in Verbindung mit wenigen Steinen: Bergkristall oder Jade. Schönheit und Leichtigkeit im Ausdruck guter mechanischer Lösungen, die immer erstrebten, unprätentiös zu sein. Vieles ließ sich in jenen Jahren in Frage stellen, doch nur experimentell und womöglich banal zu sein, schien ihr unerträglich.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für ihren Werdegang war die Tatsache, 1965 auf der Hamburger Weihnachtsmesse angenommen zu werden. Der Keramiker Bontjes van Beek machte auf sie einen nachhaltigen Eindruck, und plötzlich maß man sich mit den anderen anwesenden Goldschmieden wie Wolfgang Tümpel oder Herbert Zeitner, deren Namen bereits Legende war, – und hatte Erfolg. Der Leiter der Messe, der Kunst- und Architekturhistoriker Heinz Spielmann, fand zu den Arbeiten Christa Lühtjes ebenso schnell Zugang wie die vielen Architekten, die noch heute in Hamburg zu ihren treuen Kunden zählen. Über die Jahre vergrößerte sich der Kreis, und die Anerkennung nahm zu. 1967 erhielt sie den Preis des Hamburger Senats, 1972 den Bayerischen Staatspreis – ein Jahr nachdem Ariana Giacchi Christa Lühtje in der FAZ als eines der größten deutschen Nachkriegstalente bezeichnet hatte.
Christa Lühtjes goldschmiedisches Leben der nächsten beiden Jahrzehnte verlief abseits der großen schmucktheoretischen Auseinandersetzungen. Wie ihr Lehrer Rickert mißtraute auch sie zuviel Theorie. Daß ihre Ausstellungsmöglichkeiten in München begrenzt waren, weil sie nach wie vor mit Gold arbeitete, mußte sie zur Kenntnis nehmen. In den 80er Jahren erlebte sie die Rückkehr zum Gold bei den Paduaner Goldschmieden; Giampaolo Babetto schätzt sie seit dieser Zeit. Auch bei den jüngeren Kollegen erkannte sie bald ein entspannteres Verhältnis zu diesem Material. Christa Lühtje ist davon überzeugt, daß die klassische Goldschmiedekunst immer ihre Bedeutung behalten wird, man muß nur sorgsam mit ihr umgehen.